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Du liest: Leben mit Endometriose: Von der Diagnose bis zur Cannabis-Therapie

Monat für Monat kämpfen Millionen Frauen mit Schmerzen, die weit über das hinausgehen, was eine normale Periode mit sich bringt. Hinter diesen oft jahrelang verkannten Beschwerden steckt häufig Endometriose – eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen in vielen Bereichen einschränkt. Welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt – und was die Wissenschaft aktuell über medizinisches Cannabis bei Endometrioseschmerzen weiß – erfährst Du in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Endometriose ist nach Myomen die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung – in Deutschland sind rund 2 Millionen Menschen betroffen.
  • Von den ersten Symptomen bis zur Diagnose vergehen im Schnitt siebeneinhalb Jahre. 
  • Cannabis wird zunehmend als ergänzende Option bei chronischen Endometriose-Schmerzen angewandt und ist Bestandteil der S3 Leitlinie..

Was ist Endometriose?

Endometriose ist eine gutartige, aber chronisch verlaufende Erkrankung. Dabei wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle – an den Eierstöcken, im Bauch- und Beckenraum, am Darm oder Bauchfell, manchmal sogar außerhalb des Bauchraums, etwa in der Lunge.

Wie die Gebärmutterschleimhaut reagiert dieses Gewebe auf Hormone und baut sich mit dem Zyklus auf – und ab. Das Problem: Das abgestoßene Gewebe kann den Körper nicht verlassen. Es staut sich in der Bauchhöhle, löst chronische Entzündungen aus, bildet Vernarbungen und Verwachsungen. An den Eierstöcken entstehen sogenannte Schokoladenzysten – mit Blut gefüllte Zysten, die ihren Namen ihrer dunklen Farbe verdanken.

Das Ergebnis sind oft starke, anhaltende Schmerzen – nicht nur während der Menstruation, sondern auch unabhängig vom Zyklus.

Endometriose wird nicht ohne Grund als „Chamäleon der Gynäkologie" bezeichnet. Sie zeigt sich in vielen Gesichtern: Manche Betroffene haben kaum Beschwerden, andere leiden täglich und massiv. Genau diese Vielfalt macht die Erkrankung so schwer fassbar.

Wer ist betroffen?

Schätzungsweise 8 bis 15 Prozent aller Mädchen und Frauen sind betroffen – das entspricht in Deutschland rund 2 Millionen Menschen. Weltweit geht die WHO von etwa 190 Millionen Betroffenen aus. Jährlich kommen in Deutschland bis zu 53.000 Neuerkrankungen hinzu.

Die Krankheit kann bereits mit der ersten Menstruation in der Pubertät beginnen und bis über die Wechseljahre hinaus bestehen. Das häufigste Erkrankungsalter liegt zwischen 35 und 45 Jahren – wobei viele Betroffene ihre Diagnose erst nach einem langen Leidensweg erhalten.

Denn: Vom ersten Symptom bis zur gesicherten Diagnose vergehen im Schnitt siebeneinhalb Jahre. Bei Schmerzpatientinnen kann es sogar bis zu zehn Jahre dauern. Fehldiagnosen – wie Eierstockentzündung, PMS oder psychosomatische Beschwerden – sind keine Seltenheit.

Symptome: Mehr als nur Bauchschmerzen

Die Symptome von Endometriose sind vielgestaltig und betreffen oft den ganzen Körper:

  • Starke, krampfartige Schmerzen vor und während der Menstruation

  • Wiederkehrende, zyklusunabhängige Unterbauchschmerzen

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen

  • Zwischenblutungen und starke Menstruationsblutungen

  • Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung

  • Müdigkeit, Erschöpfung, Fatigue

  • Eingeschränkte Fruchtbarkeit – bei 40 bis 50 Prozent der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch ist Endometriose die Ursache

Weil das Beschwerdebild so unterschiedlich ist, wird Endometriose von vielen als reine Regelproblematik abgetan. Dabei handelt es sich um eine systemische Erkrankung, die auf den gesamten Hormon- und Immunhaushalt wirkt.

Ursachen: Noch vieles ungeklärt

Die genauen Ursachen von Endometriose sind bis heute nicht vollständig entschlüsselt. Mehrere Theorien werden diskutiert, keine davon ist abschließend wissenschaftlich bestätigt.

Die bekannteste Erklärung ist die sogenannte Implantationstheorie:                                 Bei der Menstruation gelangt abgestoßenes Schleimhautgewebe nicht vollständig nach außen, sondern fließt durch die Eileiter in die Bauchhöhle zurück (retrograde Menstruation). Dort siedelt es sich an und wächst weiter.

Weitere Theorien gehen davon aus, dass Stammzellen oder embryonale Zellen zur Entstehung beitragen, oder dass Immunfehlfunktionen eine Rolle spielen. Auch genetische Faktoren werden diskutiert – Endometriose tritt familiär gehäuft auf.

Behandlung: Was hilft gegen Endometriose?

Endometriose ist bislang nicht heilbar. Sie hat eine hohe Rückfallrate – nach einer operativen Entfernung der Herde können diese erneut entstehen. Das bedeutet aber nicht, dass Betroffene der Erkrankung hilflos ausgeliefert sind. Es gibt eine Reihe von Therapiemöglichkeiten, die die Beschwerden deutlich lindern können.

Hormonelle Therapie

Da Endometriose-Herde auf Hormone reagieren, ist die Hormonbehandlung ein zentraler Therapiebaustein. Ziel ist es, das Wachstum und die Aktivität der Herde durch eine Unterdrückung des Zyklus zu hemmen. Eingesetzt werden unter anderem:

  • Gestagene (z. B. Dienogest)

  • Kombinationspräparate (Antibabypille)

  • GnRH-Analoga (sie senken den Östrogenspiegel stark ab)

  • Hormonspirale

Die hormonelle Therapie lindert Schmerzen oft wirksam, kann aber Nebenwirkungen mitbringen und ist nicht für alle Betroffenen geeignet – insbesondere nicht bei bestehendem Kinderwunsch.

Operative Therapie

Bei ausgeprägten Beschwerden oder wenn Organe betroffen sind, ist ein operativer Eingriff oft notwendig. In der Regel erfolgt dies laparoskopisch (Bauchspiegelung). Die Endometriose-Herde werden dabei entfernt, verbrannt oder gelasert. Eine Operation kann Schmerzen deutlich reduzieren, jedoch ist ein Rückfall nicht ausgeschlossen.

Schmerztherapie

Neben hormonellen und operativen Maßnahmen ist die gezielte Schmerztherapie ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Eingesetzt werden unter anderem:

  • Ibuprofen und andere nicht-steroidale Antirheumatika (NSAIDs)

  • Metamizol

  • Opioide bei schweren chronischen Schmerzen

  • Co-Analgetika wie Antidepressiva (z. B. Amitriptylin)

  • Physiotherapie und multimodale Schmerztherapie

  • Psychotherapeutische Begleitung

Komplementäre Therapien

Viele Betroffene greifen ergänzend zu komplementären Ansätzen – darunter spezifische Ernährung, Akupunktur, Osteopathie, Wärmeanwendungen oder auch Nahrungsergänzungsmittel. Deren Wirksamkeit ist wissenschaftlich unterschiedlich gut belegt, sie können aber das subjektive Wohlbefinden verbessern.

Cannabis bei Endometrioseschmerzen – was weiß die Wissenschaft?

In den letzten Jahren rückt medizinisches Cannabis als mögliche Ergänzung in der Schmerztherapie bei Endometriose zunehmend in den Fokus. Doch was steckt tatsächlich dahinter – und was darf man sich davon erwarten?

Das Endocannabinoid-System – körpereigene Schmerzkontrolle

Um zu verstehen, warum Cannabis bei Endometriose überhaupt diskutiert wird, lohnt ein Blick auf das sogenannte Endocannabinoid-System (ECS). Dabei handelt es sich um ein körpereigenes Signalsystem, das bereits 1992 entdeckt wurde und Einfluss auf Schmerz, Entzündung, Stimmung, Schlaf und das Immunsystem nimmt.

Das System arbeitet über zwei Hauptrezeptortypen – CB1 und CB2. CB1-Rezeptoren sind hauptsächlich im Gehirn und zentralen Nervensystem zu finden, CB2-Rezeptoren vor allem in Immunzellen. Körpereigene Substanzen, sogenannte Endocannabinoide (z. B. Anandamid und 2-AG), aktivieren diese Rezeptoren und können so Schmerzen dämpfen.

Was zeigen aktuelle Studien?

Die Datenlage zu Cannabis bei Endometriose wächst – und sie beginnt, sich in der medizinischen Praxis niederzuschlagen. Die aktualisierte Versorgungsleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie hat den weiblichen Beckenschmerz bei Endometriose inzwischen offiziell als mögliche Indikation für eine Cannabinoidtherapie aufgenommen. Erste Untersuchungen liefern dazu passende Hinweise:

Eine australische Onlinebefragung mit 484 Endometriose-Patientinnen ergab, dass 13 Prozent der Befragten Cannabis zur Linderung ihrer Beschwerden eingesetzt hatten. Die Frauen berichteten von deutlich weniger Schmerzen, besserem Schlaf sowie einer Reduktion von Übelkeit und Erbrechen.

Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen das Endocannabinoid-System als vielversprechenden Ansatz in der Behandlung von Endometriose-Schmerzen – die Leitlinie bestätigt diese Einschätzung. Cannabis wird dort allerdings ausdrücklich als Ergänzung empfohlen, wenn die multimodale Standardschmerztherapie nicht ausreicht.

Offen bleibt die Frage, ob Cannabis das Wachstum der Endometriose-Herde beeinflusst. Die bisher vorliegenden Daten sind widersprüchlich – es kann sein, dass Herdwachstum gehemmt oder aber gefördert wird. Hier besteht noch erheblicher Forschungsbedarf.

Wie wird Cannabis medizinisch eingesetzt?

Seit 2017 können Ärztinnen und Ärzte in Deutschland medizinisches Cannabis auf Rezept verordnen. Seit April 2024 ist Cannabis für Erwachsene in Deutschland zudem zu privaten Zwecken in begrenztem Umfang legal – medizinisch wird jedoch eine kontrollierte Anwendung bevorzugt.

Für die Schmerztherapie bei Endometriose empfiehlt sich laut Fachleuten ein Cannabis-Extrakt in Tropfenform, der zu festen Zeiten eingenommen wird. Das sorgt für einen gleichmäßigeren Wirkspiegel im Blut – im Gegensatz zum Rauchen oder Vaporisieren, wo THC schnell anfluten und ebenso schnell abfallen kann, was das Verlangen nach mehr Wirkstoff (sogenanntes Craving) begünstigt.

Wichtig: Cannabis ersetzt keine bestehende Schmerztherapie, sondern ergänzt sie. Es wird zusätzlich zu nicht-medikamentösen Maßnahmen und anderen Medikamenten eingesetzt.

Ein nüchterner Blick auf die Studienlage

Cannabis bei Endometriose ist kein Allheilmittel und kein Ersatz für eine fundierte medizinische Behandlung. Die bisherigen Studien liefern erste, interessante Hinweise auf mögliche Vorteile bei der Schmerzlinderung – doch groß angelegte klinische Studien, die eindeutige Wirksamkeit und optimale Dosierungen belegen, fehlen noch. Wer Cannabis als Teil seiner Schmerztherapie in Erwägung zieht, sollte dies immer in enger Abstimmung mit einer Ärztin oder einem Arzt tun.

Fazit: Chronische Erkrankung – aber keine Hilflosigkeit

Endometriose ist eine komplexe, chronische Erkrankung, die Millionen Menschen betrifft – und die immer noch zu oft zu spät erkannt wird. Die gute Nachricht: Betroffene sind ihr nicht hilflos ausgeliefert. Mit der richtigen Kombination aus hormoneller Therapie, gezielter Schmerzbehandlung, operativen Maßnahmen und komplementären Ansätzen lässt sich die Lebensqualität deutlich verbessern.

Medizinisches Cannabis ist dabei ein aufstrebendes Thema, das die Forschung zunehmend beschäftigt. Erste Erkenntnisse sind vielversprechend – doch die Wissenschaft steht noch am Anfang. Was bleibt, ist die Einladung zur weiteren Forschung, zur offenen Kommunikation zwischen Patientinnen und Fachleuten – und der Wille, Endometriose endlich die Aufmerksamkeit zu geben, die sie verdient.

 

Quellenangaben

  1. Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. – Was ist Endometriose? https://www.endometriose-vereinigung.de/was-ist-endometriose/

  2. Endometriose.app – Cannabinoide bei Endometriose https://endometriose.app/impulse/cannabinoide-bei-endometriose/

  3. Endometriose-doc.de – Cannabis – die neue Hoffnung bei Endometrioseschmerzen? (Interview mit Dr. Sophie Neuhaus, Fachärztin für Anästhesiologie mit Zusatzbezeichnung Spezielle Schmerztherapie, Universitätsklinikum Heidelberg) https://www.endometriose-doc.de/schmerzen/cannabis-zur-bekaempung-von-endometriose-schmerzen-1152579.html

  4. Vivantes – Symptome von Endometriose: Mehr als Bauchweh https://www.vivantes.de/unternehmen/media-events/blog/symptome-von-endometriose-mehr-als-bauchweh/

  5. Universitätsspital Zürich (USZ) – Endometriose https://www.usz.ch/krankheit/endometriose/

  6. Sinclair J, Smith CA, Abbott J, et al. (2020). Cannabis Use, a Self-Management Strategy Among Australian Women With Endometriosis: Results From a National Online Survey. Journal of Obstetrics and Gynaecology Canada, 42(3), 256–261. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31722852/

  7. Bouaziz J, Bar On A, Seidman DS, Soriano D. (2017). The Clinical Significance of Endocannabinoids in Endometriosis Pain Management. Cannabis and Cannabinoid Research, 2(1), 72–80. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5436335/

  8. Andrieu T et al. (2021). Association of endocannabinoids with pain in endometriosis. Pain, 163(3). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34001768/


 

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bitte sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt, bevor Du Änderungen an Deiner Behandlung vornimmst.

 

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