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Du liest: Cannabis-Landrace: Die Ursprungssorten und ihre Bedeutung

Landrace-Sorten gelten als genetische Grundlage der meisten modernen Cannabispflanzen. Hier erfährst Du, was sie auszeichnet, woher sie stammen und welche Sorten besonders bekannt sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Cannabis-Landrace bezeichnet Sorten, die sich über Jahrhunderte in einer bestimmten geografischen Region ohne gezielte menschliche Kreuzung natürlich angepasst haben.
  • Landrace-Sorten sind genetisch besonders stabil, weil sie durch natürliche Selektion entstanden sind und ein charakteristisches, regional geprägtes Profil besitzen.
  • Sie stammen aus Regionen wie Zentralasien, Ostafrika, Lateinamerika und Südostasien.
  • Im Vergleich zu modernen Hybriden weisen sie oft einen moderateren THC-Gehalt auf und sind seltener in reiner Form erhältlich.
  • Für medizinische Patientinnen und Patienten sind Landrace-Sorten kaum direkt verfügbar, bilden aber die genetische Grundlage vieler heute genutzter Medizinalcannabis-Produkte.

Was ist Cannabis-Landrace? – Definition und Herkunft

Cannabis Landrace bezeichnet Sorten, die sich über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende in einer bestimmten geografischen Region natürlich entwickelt haben, ohne dass Züchterinnen oder Züchter gezielt eingegriffen haben. Sie entstanden durch natürliche Selektion: Pflanzen, die am besten an das lokale Klima, den Boden und die Höhenlage angepasst waren, setzten sich durch und gaben ihre Eigenschaften weiter [1].

Das Ergebnis sind Sorten mit einem stabilen, charakteristischen Genprofil, das eng mit ihrer Herkunftsregion verbunden ist. Afghan Kush aus dem Hindukusch-Gebirge, Durban Poison aus Südafrika oder Thai aus Südostasien sind Beispiele für solche Ursprungssorten.

Landrace-Sorten unterscheiden sich grundlegend von modernen Hybriden, die durch gezielte Kreuzungen auf bestimmte Eigenschaften wie hohen THC-Gehalt oder kurze Blütezeiten optimiert wurden. Fast alle heute bekannten Cannabissorten gehen auf Landrace-Genetik zurück. Sie sind damit das genetische Fundament der gesamten modernen Cannabiszüchtung [2].

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Wie entstehen Cannabis-Landrace-Sorten? – Natürliche Selektion und Anpassung

Landrace-Sorten entstanden nicht durch Planung, sondern durch Zeit. Über Generationen hinweg selektierten Umweltbedingungen wie Temperatur, Niederschlag, Sonnenstunden und Bodenbeschaffenheit, welche Pflanzen überlebten und sich fortpflanzten. Sorten aus Hochgebirgsregionen wie dem Hindukusch entwickelten dickere Harzschichten als Schutz vor Kälte und UV-Strahlung. Sorten aus tropischen Regionen wie Thailand oder Jamaika passten sich an lange Regenzeiten und intensive Sonneneinstrahlung an [1].

Lokale Bevölkerungen haben diese Sorten über Generationen kultiviert und dabei ihre natürlichen Eigenschaften erhalten. In Afghanistan baute die lokale Bevölkerung Cannabis traditionell zur Haschisch-Produktion an, in Indien spielte es in rituellen und medizinischen Kontexten eine Rolle [3]. Diese Anbautraditionen prägten die Eigenschaften der Sorten mit, ohne die genetische Grundstruktur durch gezielte Kreuzungen zu verändern.

Das Ergebnis: ein einheitliches, stabiles Genprofil, das sich klar von der genetischen Variabilität moderner Hybridgenetiken unterscheidet.

Die bekanntesten Cannabis-Landrace-Sorten im Überblick

Weltweit gibt es eine Vielzahl von Landrace-Sorten. Die folgende Tabelle zeigt die bekanntesten mit ihren Herkunftsregionen, ihrem Typ sowie typischen Terpenprofilen und Besonderheiten [2][4].

Sorte Herkunftsregion Typ Typische Terpene Besonderheit
Afghan Kush Afghanistan / Hindu Kush Indica Myrcen, Caryophyllen Klassische Harz-Produktion, Basis vieler Indica-Hybride
Hindu Kush Pakistan / Nordindien Indica Myrcen, Pinen Sehr robuste Pflanze, erdiges Profil
Durban Poison Südafrika Sativa Terpinolen, Ocimen Energetisch, klares Kopfgefühl
Acapulco Gold Mexiko (Guerrero) Sativa Caryophyllen, Limonen Legendäre Sativa, goldene Blüten
Thai Thailand Sativa Terpinolen, Myrcen Lange Blütezeit, intensives Aroma
Lamb's Bread Jamaika Sativa Limonen, Myrcen Traditionell mit Bob Marley assoziiert
Malawi Gold Malawi / Ostafrika Sativa Terpinolen, Pinen Sehr langer Phänotyp, selten
Colombian Gold Kolumbien Sativa Limonen, Terpinolen Klassische Sorte der 1970er Jahre

Hinweis: Die genannten Terpene entsprechen typischen Profilen dieser Sorten, wie sie in der botanischen und wissenschaftlichen Literatur beschrieben werden. Exakte Prozentwerte variieren je nach Anbaubedingungen und werden daher nicht genannt.

Afghan Kush – Die Mutter vieler Indica-Sorten

Afghan Kush stammt aus dem Hindukusch-Gebirge an der Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan. Die Sorte ist bekannt für ihre ausgeprägte Harzproduktion, ein erdiges Aroma und ein Terpenprofil, das von Myrcen und Caryophyllen geprägt wird. Aufgrund ihrer genetischen Stabilität und ihrer charakteristischen Indica-Eigenschaften diente Afghan Kush als Ausgangsmaterial für zahlreiche moderne Indica-Hybride. Viele der heute im Medizinalbereich genutzten Indica-dominierten Sorten tragen Afghan-Kush-Genetik in sich [2]. Mehr zu Indica-Sorten findest Du im Nordleaf-Ratgeber zu Indica und Sativa.

Durban Poison – Südafrikas bekannteste Landrace

Durban Poison stammt aus der Hafenstadt Durban in Südafrika und gilt als eine der bekanntesten Sativa-Landrace-Sorten weltweit. Ihr Terpenprofil ist Terpinolen-dominiert, ergänzt durch Ocimen. Diese Kombination verleiht der Sorte ein frisches, leicht süßliches Aroma. Durban Poison ist auch als Elternsorte bekannt: Sie ist an der Entstehung populärer Hybride wie Girl Scout Cookies beteiligt und hat damit die moderne Cannabiszüchtung maßgeblich beeinflusst [2][4].

Hindu Kush – Robust und ursprünglich

Hindu Kush ist eine Indica-Landrace aus der gleichnamigen Gebirgsregion zwischen Pakistan und Nordindien. Die Sorte zeichnet sich durch außergewöhnliche Robustheit gegenüber Kälte, Trockenheit und anderen Umwelteinflüssen aus. Ihr Aroma ist erdig und leicht süßlich, das Terpenprofil wird von Myrcen und Pinen bestimmt. Hindu Kush gilt als eine der reinsten Indica-Genetiken und wurde als Ausgangsmaterial für viele Züchtungen genutzt, die auf beruhigende Eigenschaften ausgerichtet sind [1][2].

Acapulco Gold – Legende aus Mexiko

Acapulco Gold stammt aus der Region Guerrero in Mexiko und erlangte in den 1960er und 1970er Jahren weltweite Bekanntheit. Die Sorte ist eine reinrassige Sativa mit einem charakteristischen Caryophyllen-Limonen-Profil. Ihr Name leitet sich von der goldenen Färbung ihrer reifen Blüten ab. Acapulco Gold gilt als eine der historisch bedeutendsten Cannabissorten und war in der Gegenkultur der 1970er Jahre weit verbreitet [3].

Landrace vs. Hybrid: Was ist der Unterschied?

Der grundlegende Unterschied liegt in der Entstehungsgeschichte. Landrace-Sorten entwickelten sich über Generationen durch natürliche Selektion in einer bestimmten Region. Hybride entstehen durch gezielte Kreuzung zweier oder mehrerer Sorten, um bestimmte Eigenschaften zu kombinieren oder zu verstärken.

Züchterinnen und Züchter optimierten moderne Hybride häufig auf hohe THC-Gehalte, kurze Blütezeiten oder hohe Erträge. Landrace-Sorten weisen dagegen oft einen moderateren THC-Gehalt auf, weil keine gezielte Hochleistungszüchtung stattfand [4]. Ihre genetische Stabilität ist in der Regel höher, weil natürliche Selektion sie über viele Generationen unter gleichbleibenden Bedingungen geformt hat.

Für Züchterinnen und Züchter sind Landrace-Sorten deshalb besonders wertvoll: Sie liefern stabiles, regional angepasstes Ausgangsmaterial für neue Kreuzungen und tragen zur genetischen Vielfalt bei. Keine der beiden Kategorien ist der anderen überlegen. Sie erfüllen unterschiedliche Zwecke.

Merkmal Landrace Hybrid
Entstehung Natürliche Selektion Gezielte Kreuzung
Genetische Stabilität Hoch Variabel
THC-Gehalt Oft moderat Oft höher
Terpenprofil Charakteristisch regional Vielfältig, züchterabhängig
Verfügbarkeit Selten (reine Formen) Weit verbreitet

Mehr zu den Unterschieden zwischen Indica, Sativa und Hybriden erklärt der Nordleaf-Ratgeber zu Cannabissorten. 

Sind Landrace-Sorten für medizinische Patientinnen und Patienten relevant?

Reine Landrace-Sorten sind im deutschen Medizinalcannabis-Markt kaum direkt verfügbar. Die meisten zugelassenen Medizinalcannabis-Produkte basieren auf modernen Hybridgenetiken, die auf gleichbleibende Wirkstoffprofile und reproduzierbare Qualität ausgelegt sind [5].

Dennoch ist das Verständnis von Landrace-Genetik für Patientinnen und Patienten hilfreich. Viele bekannte medizinische Sorten tragen Landrace-Genetik in sich. Wer versteht, woher eine Sorte stammt und welche Terpene sie typischerweise enthält, kann Produktbeschreibungen besser einordnen. Terpene wie Myrcen, Caryophyllen oder Terpinolen beeinflussen das Gesamtprofil einer Sorte und werden in der Forschung zunehmend als relevante Bestandteile des sogenannten Entourage-Effekts diskutiert [6]. Mehr dazu findest Du im Nordleaf-Ratgeber zu Terpenen.

Warum sind echte Landrace-Sorten heute so selten?

Reine Landrace-Genetik ist zunehmend schwer zu finden. Die Globalisierung des Saatgutmarkts hat dazu geführt, dass viele ursprüngliche Sorten mit modernen Hybridgenetiken gekreuzt wurden. Traditionelle Anbaugebiete sind durch Urbanisierung, Klimaveränderungen und veränderte Landnutzung unter Druck geraten [3].

Hinzu kommt: Sobald eine Landrace-Sorte außerhalb ihrer Ursprungsregion angebaut wird, verändert sie sich über Generationen durch neue Umweltbedingungen. Was heute als „Afghan Kush" oder „Durban Poison" im Handel erhältlich ist, entspricht oft nicht mehr der ursprünglichen Landrace-Genetik.

Einige Züchterinnen und Züchter sowie botanische Genbanken arbeiten aktiv daran, originale Landrace-Genetiken zu erhalten und zu dokumentieren. Diese Bemühungen sind wichtig, um die genetische Vielfalt der Cannabispflanze langfristig zu sichern [2].

FAQ – Cannabis-Landrace

Was ist eine Cannabis-Landrace-Sorte?

Eine Cannabis-Landrace-Sorte ist eine Ursprungssorte, die sich über Jahrhunderte in einer bestimmten geografischen Region durch natürliche Selektion entwickelt hat, ohne gezielte Kreuzung durch Züchterinnen oder Züchter. Sie besitzt ein stabiles, regional geprägtes Genprofil und bildet die genetische Grundlage vieler moderner Cannabissorten.

Verändert sich eine Cannabis-Landrace-Sorte, wenn sie außerhalb ihrer Heimatregion angebaut wird?

Ja. Sobald eine Landrace-Sorte unter anderen Klimabedingungen, mit anderem Boden und anderen Lichtverhältnissen angebaut wird, verändert sie sich über Generationen.

Was bedeutet genetische Stabilität bei Landrace-Sorten konkret?

Genetische Stabilität bedeutet, dass die Nachkommen einer Pflanze sehr ähnliche Eigenschaften zeigen wie die Elternpflanze. Bei Landrace-Sorten entstand diese Stabilität durch viele Generationen natürlicher Selektion unter gleichbleibenden Bedingungen. Bei modernen Hybriden ist die Variabilität zwischen einzelnen Pflanzen oft größer, weil verschiedene Genetiken kombiniert wurden.

Gibt es Bemühungen, originale Cannabis-Landrace-Genetiken zu erhalten?

Ja. Einige Züchterinnen und Züchter sowie botanische Genbanken arbeiten aktiv daran, originale Landrace-Genetiken zu dokumentieren und zu sichern. Ziel ist es, die genetische Vielfalt der Cannabispflanze langfristig zu erhalten, bevor weitere Kreuzungen mit modernen Hybridgenetiken die ursprünglichen Profile überlagern.

Woher stammen Landrace-Sorten ursprünglich?

Landrace-Sorten stammen aus verschiedenen Regionen der Welt: Zentralasien (z. B. Afghanistan, Pakistan), Ostafrika (z. B. Malawi), Lateinamerika (z. B. Mexiko, Kolumbien, Jamaika) und Südostasien (z. B. Thailand). Diese Regionen boten über Jahrhunderte stabile Umweltbedingungen, die die Entwicklung charakteristischer Sorten ermöglichten.

Haben Landrace-Sorten weniger THC als moderne Sorten?

Landrace-Sorten weisen tendenziell einen moderateren THC-Gehalt auf als viele moderne Hybride, da keine gezielte Hochleistungszüchtung stattfand. Konkrete Prozentwerte variieren jedoch je nach Anbaubedingungen und Phänotyp. Pauschale Aussagen über exakte THC-Gehalte sind ohne Laboranalyse nicht seriös möglich.

Sind Landrace-Sorten als medizinisches Cannabis erhältlich?

Reine Landrace-Sorten sind im deutschen Medizinalcannabis-Markt kaum direkt verfügbar. Die meisten zugelassenen Produkte basieren auf modernen Hybridgenetiken. Viele dieser Hybride tragen jedoch Landrace-Genetik in sich, da Landrace-Sorten als Ausgangsmaterial für die Züchtung dienten.

Warum sind Landrace-Sorten für Züchterinnen und Züchter so wertvoll?

Landrace-Sorten bieten genetische Stabilität, regionale Anpassung und ein charakteristisches Terpenprofil, das durch Jahrzehnte natürlicher Selektion entstanden ist. Sie dienen als wertvolles Ausgangsmaterial für neue Kreuzungen und tragen zur Erhaltung der genetischen Vielfalt der Cannabispflanze bei.

Was bedeutet „Heirloom" im Unterschied zu „Landrace"?

Eine Heirloom-Sorte ist eine Landrace-Sorte, die außerhalb ihrer ursprünglichen Herkunftsregion kultiviert wurde, dabei aber genetisch weitgehend erhalten blieb. Lamb's Bread aus Jamaika gilt beispielsweise als Heirloom-Sorte, da sie ursprünglich aus einer anderen Region stammt, aber über Generationen in Jamaika angebaut wurde, ohne wesentlich verändert zu werden.

Kann ich Landrace-Cannabis in Deutschland legal anbauen?

Seit Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) im April 2024 dürfen Volljährige in Deutschland bis zu drei Cannabispflanzen gleichzeitig am eigenen Wohnsitz zum Eigenkonsum anbauen [5]. Die Einfuhr von Cannabissamen zum privaten Eigenanbau ist nach § 4 Abs. 2 KCanG nur aus EU-Mitgliedstaaten erlaubt, sofern die Samen nicht zum unerlaubten Anbau bestimmt sind [5]. Für rechtliche Fragen im Einzelfall empfiehlt sich die Konsultation einer Rechtsberatung oder der Blick in die offiziellen Quellen unter gesetze-im-internet.de.

Welche Landrace-Sorte gilt als die älteste?

Eine eindeutige wissenschaftliche Antwort gibt es darauf nicht. Zentralasiatische Sorten wie Afghan Kush und Hindu Kush gelten aufgrund ihrer geografischen Herkunft und ihrer genetischen Charakteristika als besonders ursprünglich. Die Forschung zur Taxonomie und Herkunft der Cannabispflanze ist noch nicht abgeschlossen [1][3].

Quellen

[1] Clarke, R. C. & Merlin, M. D. (2013): Cannabis: Evolution and Ethnobotany. University of California Press, Berkeley. Online verfügbar unter: https://www.ucpress.edu/book/9780520292482/cannabis

[2] Hillig, K. W. (2005): Genetic evidence for speciation in Cannabis (Cannabaceae). Genetic Resources and Crop Evolution, 52(2), 161–180. Online verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15704464/

[3] Schultes, R. E. & Hofmann, A. (1979): Plants of the Gods: Origins of Hallucinogenic Use. McGraw-Hill, New York.

[4] Hazekamp, A. & Fischedick, J. T. (2012): Cannabis – from cultivar to chemovar. Drug Testing and Analysis, 4(7–8), 660–667. Online verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22362625/

[5] Konsumcannabisgesetz (KCanG) vom 27. März 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 109), geändert durch Art. 1 G v. 20.6.2024 I Nr. 207. Online verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/

[6] Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Medizinisches Cannabis. Online verfügbar unter: https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Medizinisches-Cannabis/_node.html

Bilder

© unsplash.com

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