Indica, Sativa, Hybrid, 22/1 oder CBD-reich: Der deutsche Markt für medizinisches Cannabis umfasst heute mehrere Hundert Blütenprodukte mit sehr unterschiedlichen Wirkstoffprofilen. Dieser Ratgeber erklärt Dir, wie viele Sorten es gibt, wie sie sich unterscheiden und wie Du Produktbezeichnungen und THC-Angaben richtig liest.
Das Wichtigste in Kürze
- Große Produktvielfalt: Der deutsche Markt umfasst mehrere Hundert medizinische Blütenprodukte, deren Verfügbarkeit je nach Ernte und Import schwankt.
- Wichtige Begriffsunterscheidung: Der Strain bezeichnet die reine Pflanzengenetik (z. B. Ghost Train Haze). Das Produkt ist die standardisierte Arzneiware aus der Apotheke. Zwei Produkte mit derselben Genetik können sich in ihren Werten und ihrer Wirkung deutlich unterscheiden.
- Inhaltsstoffe schlagen Botanik: Die klassische Einteilung in Indica (entspannend) und Sativa (aktivierend) dient heute nur noch als grobe Orientierung [4]. Wissenschaftlich aussagekräftiger für das Wirkprofil sind der exakte THC- und CBD-Gehalt sowie das Terpenprofil. Terpene sind Aromastoffe, die als möglicher Einflussfaktor auf die Wirkung diskutiert werden (Entourage-Effekt) [6].
- Produktbezeichnungen verstehen: Angaben wie „22/1“ stehen für den prozentualen Wirkstoffgehalt: 22 % THC und 1 % CBD, umgerechnet 220 mg/g THC und 10 mg/g CBD.
- Therapie und Dosierung: Ein höherer THC-Wert bedeutet nicht „besser“, sondern nur konzentrierter. In der Praxis gilt das medizinische Prinzip „Niedrig beginnen, langsam anpassen“ (Titration) [9]. Nebenwirkungen wie Schwindel oder Mundtrockenheit sind möglich [10].
- Rechtliches und Kosten (Stand 2026): Seit der am 30. Juli 2026 in Kraft getretenen Neuregelung erstatten die gesetzlichen Krankenkassen keine Cannabisblüten mehr. Blüten sind ausschließlich auf Privatrezept für Selbstzahler:innen erhältlich. Erstattungsfähig bleiben unter strengen Voraussetzungen nur standardisierte Extrakte, Arzneimittel mit Dronabinol oder Nabilon sowie zugelassene Fertigarzneimittel [8].
- Der Weg zum Rezept: Die finale Entscheidung über Sorte, Menge und Dosierung liegt immer bei Deiner Ärztin oder Deinem Arzt. Im Beratungsgespräch, zum Beispiel per Telemedizin bei Plattformen wie Nordleaf, kannst Du begründete Produktwünsche äußern.
Tipp: Wie Du Schritt für Schritt zu Deinem Rezept für medizinisches Cannabis kommst, erfährst Du auf der Seite Cannabis-Rezept online: Voraussetzungen und Ablauf.
Wie viele Cannabis-Sorten gibt es in Deutschland?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Auf dem deutschen Markt für medizinisches Cannabis sind mehrere Hundert verschiedene Blütenprodukte gelistet. Nicht alle davon sind gleichzeitig lieferbar, denn der Bestand schwankt mit Ernte, Import und Hersteller.
Wie viele Sorten es gibt, hängt auch davon ab, was Du zählst. Weltweit existiert eine kaum überschaubare Zahl an Genetiken, weil ständig neu gekreuzt wird. Für Dich als Patientin oder Patient relevant sind aber nur die Produkte, die in deutschen Apotheken als Arzneimittel verfügbar sind.
Medizinisches Cannabis und Konsumcannabis: zwei Kategorien
Seit April 2024 regelt das Konsumcannabisgesetz (KCanG) den Besitz von Cannabis für Erwachsene, etwa bis zu 25 Gramm in der Öffentlichkeit [2]. Medizinisches Cannabis fällt dagegen unter das Medizinal-Cannabis-Gesetz (MedCanG) [1]. Es ist verschreibungspflichtig, wird nur in Apotheken abgegeben und muss pharmazeutische Qualitätsanforderungen erfüllen [3].
Dieser Ratgeber bezieht sich ausschließlich auf medizinisches Cannabis. Nur hier sind THC- und CBD-Gehalte geprüft ausgewiesen und die Anwendung ärztlich begleitet.
Strain, Sorte, Produkt: Was ist der Unterschied?
Im Alltag werden die Begriffe oft gleichgesetzt. Für das Verständnis von Produktangaben lohnt sich die Unterscheidung.
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Strain (Genetik) | Die Züchtung, also der genetische Ausgangspunkt einer Pflanze | Ghost Train Haze |
| Phänotyp | Wie sich eine Pflanze dieser Genetik unter realen Anbaubedingungen tatsächlich ausprägt | Gleicher Strain, anderes Terpenprofil je Anbau |
| Produkt | Die standardisierte, geprüfte Arzneiware in der Apotheke, mit Hersteller und Wirkstoffgehalt | [Hersteller] 22/1 Ghost Train Haze |
Daraus folgt: Zwei Produkte mit demselben Strain-Namen können sich in THC-Gehalt, Terpenprofil und Wirkung unterscheiden. Entscheidend ist immer das konkrete Produkt mit seinen Laborwerten, nicht der Name allein.
Indica, Sativa und Hybrid: Was die Einteilung leistet und was nicht
Die Einteilung in Indica, Sativa und Hybrid stammt aus der Botanik und beschreibt ursprünglich unterschiedliche Wuchsformen. Im Sprachgebrauch werden ihnen bis heute typische Wirkprofile zugeschrieben.
| Typ | Volkstümlich zugeschriebenes Profil | Botanischer Ursprung |
|---|---|---|
| Indica | Eher körperbetont, entspannend | Kompakte, buschige Pflanzen mit breiten Blättern |
| Sativa | Eher kopfbetont, aktivierend | Hochwüchsige Pflanzen mit schmalen Blättern |
| Hybrid | Mischprofil | Kreuzung beider Linien, heute der Regelfall |
Wissenschaftlich hält diese Zuordnung nur begrenzt. Eine genetische Analyse von über 100 Cannabisproben fand keine genomweiten Unterschiede zwischen Proben mit Indica- und Sativa-Etikett [4]. Die Etiketten hingen vor allem mit einigen wenigen Terpenen zusammen, also mit dem Aroma.
Nutze die Einteilung deshalb als grobe Orientierung, nicht als Wirkversprechen. Mehr dazu erfährst Du im Ratgeber zum Unterschied zwischen Indica und Sativa.
Chemische Typen: THC-dominant, ausgewogen, CBD-dominant
Aussagekräftiger als die botanische Einteilung ist die chemische Zusammensetzung, in der Fachliteratur auch Chemovar genannt [5]. Sie lässt sich über das Verhältnis der beiden Hauptwirkstoffe THC und CBD grob in drei Typen gliedern.
| Typ | THC-Gehalt | CBD-Gehalt | Psychoaktivität |
|---|---|---|---|
| THC-dominant | Hoch | Unter 1 % | Ausgeprägt |
| Ausgewogen | Mittel | Mittel | Abgeschwächt durch den CBD-Anteil |
| CBD-dominant | Unter 1 % | Hoch | Kaum |
THC (Tetrahydrocannabinol) wirkt psychoaktiv, CBD (Cannabidiol) nicht. CBD kann bestimmte Effekte von THC abmildern, weshalb das Verhältnis beider Stoffe das Gesamtprofil prägt. Die Eigenschaften beider Wirkstoffe vergleicht unser Ratgeber CBD vs. THC; weitere Wirkstoffe stellt der Überblick zu Cannabinoiden vor.
THC-Gehalt verstehen: Prozent, mg/g und 22/1
Der THC-Gehalt steht auf jeder Verpackung, entweder in Prozent oder in Milligramm pro Gramm. Beides meint dasselbe: 18 % THC entsprechen 180 mg/g.
Medizinische Blüten reichen von CBD-dominanten Produkten mit unter 1 % THC bis zu Produkten mit mehr als 25 % THC. Eine einheitliche Einteilung in niedrig, mittel und hoch gibt es nicht. Hersteller, Apotheken und Plattformen ziehen die Grenzen unterschiedlich.
| Einordnung | Was sie aussagt |
|---|---|
| Niedriger THC-Gehalt | Geringere psychoaktive Wirkung je Gramm |
| Mittlerer THC-Gehalt | Moderate psychoaktive Wirkung je Gramm |
| Hoher THC-Gehalt | Starke psychoaktive Wirkung je Gramm, höheres Risiko für Nebenwirkungen wie Schwindel, Herzrasen oder Angst |
Wichtig: Ein höherer THC-Gehalt bedeutet nicht „besser“, sondern nur „konzentrierter“. Welcher Gehalt für Dich infrage kommt, legt Deine Ärztin oder Dein Arzt fest. In der Praxis gilt dabei der Grundsatz, niedrig zu beginnen und langsam anzupassen [9].
Die angegebenen Werte sind Prüfwerte einer Charge. Natürliche Schwankungen zwischen Chargen sind auch bei geprüfter Ware möglich [3]. Mehr zum Wirkstoff selbst liest Du im THC-Guide.
Produktbezeichnungen lesen: ein Beispiel
Medizinische Produkte tragen standardisierte Bezeichnungen statt reiner Fantasienamen. Ein typischer Aufbau sieht so aus:
- [Hersteller]: das Unternehmen, das das Produkt in Verkehr bringt
- 22/1: 22 % THC und 1 % CBD
- Ghost Train Haze: die genetische Basis, also der Strain
Häufig findest Du zusätzlich die Angabe, ob die Blüten bestrahlt oder unbestrahlt sind. Was das bedeutet, erklärt der Ratgeber bestrahlt oder unbestrahlt.
Terpene: Warum gleicher THC-Gehalt nicht gleiche Wirkung bedeutet
Terpene sind natürliche Aromastoffe der Pflanze. Sie bestimmen Geruch und Geschmack und werden als möglicher Einflussfaktor auf die Wirkung diskutiert. Dieses vermutete Zusammenspiel mit den Cannabinoiden heißt Entourage-Effekt [6].
| Terpen | Aroma | In der Forschung diskutiert |
|---|---|---|
| Myrcen | Erdig, moschusartig | Beruhigende Effekte |
| Limonen | Zitrusartig | Stimmungsbezogene Effekte |
| Linalool | Blumig, lavendelartig | Beruhigende Effekte |
| Beta-Caryophyllen | Würzig, pfefferartig | Entzündungsbezogene Effekte |
| Pinen | Frisch, nach Kiefer | Effekte auf die Aufmerksamkeit |
Die Hinweise stammen überwiegend aus präklinischen Studien [6]. Belastbare Aussagen zur Wirkung beim Menschen lassen sich daraus nicht ableiten. Einen ausführlichen Überblick gibt unser Ratgeber zu Terpenen.
CBD-reiche Sorten: kaum psychoaktiv
CBD-dominante Sorten enthalten meist unter 1 % THC und wirken daher kaum psychoaktiv. CBD wird in verschiedenen Zusammenhängen erforscht, etwa bei Angststörungen [7]. Die Evidenz ist je nach Fragestellung unterschiedlich stark, Wirkversprechen lassen sich daraus nicht ableiten.
Medizinische CBD-reiche Sorten sind verschreibungspflichtig und unterscheiden sich von freiverkäuflichen CBD-Produkten. Diese sind keine Arzneimittel und unterliegen nicht denselben Qualitätsanforderungen [3].
Qualität: Wie medizinisches Cannabis geprüft wird
Medizinisches Cannabis wird unter kontrollierten Bedingungen angebaut und vor der Abgabe geprüft. Dazu gehören der Wirkstoffgehalt, die Reinheit und die mikrobiologische Qualität. Die Aufsicht über Anbau, Import und Verkehr liegt beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) [3].
Anwendungsform: Warum sie die Wahl mitbestimmt
Neben der Sorte beeinflusst die Anwendungsform, wie schnell und wie lange eine Wirkung eintritt. Beim Inhalieren über einen Vaporizer setzt die Wirkung innerhalb weniger Minuten ein. Bei oraler Einnahme, etwa als Extrakt, tritt sie deutlich verzögert ein, hält dafür aber länger an.
Wie sich Inhalieren und orale Einnahme im Detail unterscheiden, erklärt der Überblick zu den Anwendungsformen. Für die Inhalation lohnt der Ratgeber zum Verdampfen, für die orale Einnahme die Ratgeber zu Extrakten und Cannabis-Tee.
Sortenlexikon: bekannte Genetiken im Ratgeber
Viele medizinische Produkte basieren auf bekannten Genetiken. Die folgenden Ratgeber stellen Herkunft und Profil einzelner Strains vor. Sie beschreiben Genetiken, keine konkreten Arzneimittel.
| Strain | Einordnung | Ratgeber |
|---|---|---|
| Amnesia Haze | Sativa-dominant | Amnesia Haze |
| Purple Haze | Sativa-Klassiker | Purple Haze |
| Super Silver Haze | Sativa-Sorte | Super Silver Haze |
| Blue Dream | Bekannte Genetik, Terpenprofil im Ratgeber | Blue Dream |
| AK-47 | Bekannte Genetik, Terpenprofil im Ratgeber | AK-47 |
| Cheese | Bekannte Sorte mit mehreren Varianten | Cheese |
| Skunk | Sortengruppe | Skunk |
| Diesel | Sortengruppe | Diesel |
| Landrace | Ursprungssorten | Landrace |
| Ruderalis | Dritte Unterart, blüht automatisch | Ruderalis |
Nebenwirkungen: Was für alle Sorten gilt
Die Sorte verändert vor allem, wie stark THC wirkt, nicht welche Nebenwirkungen grundsätzlich möglich sind. In Studien zu Cannabinoiden traten unerwünschte Wirkungen deutlich häufiger auf als unter Placebo [10]. Mit steigendem THC-Gehalt steigt auch das Risiko für psychoaktive Nebenwirkungen.
| Häufige Nebenwirkungen | Seltene Nebenwirkungen | Wichtige Alltagsrisiken |
|---|---|---|
| Schwindel, Müdigkeit, Mundtrockenheit, Übelkeit | Verwirrtheit, Orientierungsstörungen, Angst bis Panik | Eingeschränkte Fahrtüchtigkeit |
| Konzentrationsstörungen, Euphorie | Herzrasen und Kreislaufprobleme | Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten |
Deshalb gehören Vorerkrankungen, besonders psychische und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie alle weiteren Medikamente in das ärztliche Gespräch. Mehr dazu in den Ratgebern zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.
Wie bekommst Du die passende Sorte auf Rezept?
Der Weg folgt einem festen Ablauf: ärztliches Gespräch, Prüfung der Voraussetzungen, Rezept, Einlösen in der Apotheke. Die Sortenauswahl ist dabei Teil der ärztlichen Therapieentscheidung.
Du kannst Wunschprodukte nennen. Deine Ärztin oder Dein Arzt berücksichtigt dabei unter anderem Deine Beschwerden, Vorerkrankungen, Vorerfahrung und weitere Medikamente. Mögliche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen gehören in dieses Gespräch. Auch die Fahrtüchtigkeit ist ein Thema, wenn Du regelmäßig Auto fährst.
Wie das Privatrezept funktioniert und wie der Weg über die Telemedizin abläuft, erklären eigene Ratgeber.
Was kostet eine Sorte und zahlt die Krankenkasse?
Der Preis hängt vom Produkt ab, nicht von der Sortenkategorie. Einen Überblick über die Kosten gibt der Ratgeber zu Cannabis-Preisen.
Seit dem 30. Juli 2026 erstatten gesetzliche Krankenkassen keine Cannabisblüten mehr [8]. Unter den Voraussetzungen von § 31 Abs. 6 SGB V erstattungsfähig bleiben standardisierte Extrakte sowie Arzneimittel mit Dronabinol oder Nabilon. Für Neupatient:innen steht dabei zunächst ein Therapieversuch mit einem zugelassenen Fertigarzneimittel von bis zu sechs Monaten. Blüten sind nur noch auf Privatrezept erhältlich. Details erklärt der Ratgeber Cannabis bei der Krankenkasse.
FAQ: Häufige Fragen zu Cannabis-Sorten
Wie viele Cannabis-Sorten gibt es in Deutschland?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Auf dem deutschen Markt sind mehrere Hundert medizinische Blütenprodukte gelistet, nicht alle sind gleichzeitig lieferbar. Zu unterscheiden ist zwischen dem Strain, also der Genetik, und dem Produkt, also der geprüften Arzneiware in der Apotheke.
Was ist der Unterschied zwischen Indica, Sativa und Hybrid?
Die Begriffe beschreiben ursprünglich botanische Wuchsformen. Indica gilt umgangssprachlich als eher entspannend, Sativa als eher aktivierend, Hybrid als Mischform. Genetische Analysen zeigen jedoch kaum Unterschiede zwischen Proben mit Indica- und Sativa-Etikett [4]. Aussagekräftiger sind THC-Gehalt, CBD-Gehalt und Terpenprofil.
Was bedeutet 22/1 auf einer Cannabis-Verpackung?
Die Zahlen geben den Wirkstoffgehalt in Prozent an: 22 % THC und 1 % CBD. Alternativ steht der Gehalt in Milligramm pro Gramm auf der Packung, 220 mg/g THC entsprechen 22 %.
Warum wirken zwei Sorten mit gleichem THC-Gehalt unterschiedlich?
Weil der THC-Gehalt nicht alles erklärt. CBD-Anteil, weitere Cannabinoide und das Terpenprofil unterscheiden sich von Produkt zu Produkt. Auch innerhalb desselben Strains kann die Zusammensetzung von Charge zu Charge schwanken.
Gibt es medizinische Cannabis-Sorten ohne psychoaktive Wirkung?
CBD-dominante Sorten enthalten meist unter 1 % THC und wirken daher kaum psychoaktiv. Ausgewogene Sorten mit ähnlichem THC- und CBD-Gehalt wirken abgeschwächt psychoaktiv. Ob eine solche Sorte für Dich infrage kommt, entscheidet Deine Ärztin oder Dein Arzt.
Welche Cannabis-Sorten eignen sich für Einsteiger?
Eine pauschale Einsteigersorte gibt es nicht. Die Auswahl hängt von Deinen Beschwerden, Vorerkrankungen und weiteren Medikamenten ab und ist eine ärztliche Entscheidung. In der Praxis gilt der Grundsatz, niedrig zu beginnen und langsam anzupassen [9].
Kann ich selbst entscheiden, welche Sorte ich bekomme?
Du kannst Wunschprodukte nennen, die im Gespräch berücksichtigt werden können. Die endgültige Entscheidung über Produkt und Menge trifft Deine Ärztin oder Dein Arzt.
Welche Cannabis-Sorten zahlt die Krankenkasse?
Seit dem 30. Juli 2026 erstatten gesetzliche Krankenkassen keine Cannabisblüten mehr, unabhängig von der Sorte [8]. Erstattungsfähig bleiben unter den Voraussetzungen von § 31 Abs. 6 SGB V standardisierte Extrakte sowie Arzneimittel mit Dronabinol oder Nabilon. Blüten sind nur noch auf Privatrezept erhältlich.
Was ist der Unterschied zwischen medizinischem Cannabis und CBD-Produkten?
Medizinisches Cannabis ist verschreibungspflichtig, wird nur in Apotheken abgegeben und mit geprüften Wirkstoffgehalten ausgewiesen [3]. Freiverkäufliche CBD-Produkte sind keine Arzneimittel und unterliegen nicht denselben Qualitätsanforderungen.
Warum ist eine bestimmte Sorte manchmal nicht verfügbar?
Medizinisches Cannabis ist ein Naturprodukt. Ernten, Importe und Hersteller wechseln, deshalb sind einzelne Produkte zeitweise nicht lieferbar. Ist Dein Wunschprodukt nicht verfügbar, bespricht Deine Ärztin oder Dein Arzt mit Dir eine Alternative.
Quellen:
[1] Gesetz zur Versorgung mit Cannabis zu medizinischen und medizinisch-wissenschaftlichen Zwecken (Medizinal-Cannabisgesetz – MedCanG), in Kraft seit 1. April 2024. Online verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/medcang/
[2] Konsumcannabisgesetz (KCanG) vom 27. März 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 109), § 3 Erlaubter Besitz von Cannabis. Online verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/
[3] Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Medizinisches Cannabis. Online verfügbar unter: https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Medizinisches-Cannabis/_node.html
[4] Watts S, McElroy M, Migicovsky Z, Maassen H, van Velzen R, Myles S. Cannabis labelling is associated with genetic variation in terpene synthase genes. Nature Plants. 2021;7(10):1330–1334. Online verfügbar unter: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8516649
[5] Hazekamp A, Fischedick JT. Cannabis – from cultivar to chemovar. Drug Testing and Analysis. 2012;4(7–8):660–667.
[6] Russo EB. Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. British Journal of Pharmacology. 2011;163(7):1344–1364. PMID: 21749363
[7] Blessing EM, Steenkamp MM, Manzanares J, Marmar CR. Cannabidiol as a Potential Treatment for Anxiety Disorders. Neurotherapeutics. 2015;12(4):825–836. PMID: 26341731
[8] § 31 Abs. 6 SGB V in der Fassung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes, gültig seit 30. Juli 2026. Online verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__31.html
[9] Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM): Informationen zur Dosierung von medizinischem Cannabis. Online verfügbar unter: https://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/
[10] Whiting PF, Wolff RF, Deshpande S, et al. Cannabinoids for Medical Use: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA. 2015;313(24):2456–2473. PMID: 26103030
Bilder: © pexels.com
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