Cannabis-Spray ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel – hier erfährst Du, welche Arten es gibt, wie Du ein Rezept bekommst und was Du bei der Anwendung wissen musst.
Das Wichtigste in Kürze
- Cannabis-Spray ist rezeptpflichtig und nicht frei in der Apotheke erhältlich – mit Ausnahme von CBD-Sprays ohne THC.
- Die wichtigste Variante für Patienten ist das Dronabinol-Spray: ein individuell in der Apotheke hergestelltes Rezepturarzneimittel auf THC-Basis.
- Sativex ist das einzige zugelassene Cannabis-Fertigarzneimittel als Mundspray in Deutschland – primär für Multiple Sklerose (MS) zugelassen.
- CBD-Sprays ohne THC sind rezeptfrei erhältlich, gelten aber nicht als Arzneimittel und dürfen keine Heilversprechen tragen.
- Jede Ärztin und jeder Arzt (außer Zahn- und Tierärzte) darf Cannabis-Spray verschreiben – seit April 2024 ohne BtM-Rezept [1].
- Die Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen ist nicht garantiert und muss im Einzelfall beantragt werden [2].
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Was ist Cannabis-Spray?
Cannabis-Spray ist ein Arzneimittel auf Cannabinoid-Basis, das als Mundspray angewendet wird. Medizinisch spricht man von einer oromukosalen Anwendung: Das Spray wird direkt in die Mundschleimhaut gesprüht, wo die Wirkstoffe aufgenommen werden.
Der Vorteil gegenüber Kapseln oder Tabletten liegt in der Aufnahmegeschwindigkeit. Über die Mundschleimhaut gelangen die Wirkstoffe schneller ins Blut als bei oraler Einnahme – typischerweise setzt die Wirkung nach 15 bis 45 Minuten ein. Inhaliertes Cannabis wirkt zwar noch schneller, birgt aber Risiken für die Atemwege [3].
Cannabis-Spray ermöglicht außerdem eine standardisierte Dosierung pro Sprühstoß. Das macht die Einstellung einfacher und kontrollierbarer als bei Blüten oder Extrakten.
Wichtig zu unterscheiden: Cannabis-Spray ist kein Freizeitprodukt, sondern ein Medizinprodukt mit klarer Zulassung oder Rezepturherstellung. CBD-Sprays ohne THC sind zwar rezeptfrei erhältlich, gelten in Deutschland aber nicht als Arzneimittel – dazu mehr im Abschnitt unten.
Welche Cannabis-Sprays gibt es? – Ein Überblick
Es gibt drei relevante Kategorien von Cannabis-Spray, die sich in Wirkstoff, Zulassungsstatus und Anwendungsgebiet unterscheiden:
| Spray-Typ | Wirkstoffe | Status | Anwendungsgebiet | Rezeptpflichtig |
|---|---|---|---|---|
| Dronabinol-Spray | Synthetisches THC (Rezeptur) | Rezepturarzneimittel | Schmerz, Übelkeit, Appetitlosigkeit | Ja |
| Sativex® (Nabiximols) | THC + CBD (2,7 mg / 2,5 mg pro Sprühstoß) | Zugelassenes Fertigarzneimittel (DE seit 2011) | MS-Spastik | Ja |
| CBD-Spray | CBD (kein oder minimales THC) | Nahrungsergänzungsmittel / kein Arzneimittel | Wellness, Schlaf (off-label) | Nein (i.d.R.) |
Dronabinol-Spray – THC als Rezepturarzneimittel
Dronabinol ist synthetisch hergestelltes THC – kein Pflanzenextrakt, sondern ein chemisch definierter Wirkstoff. Als Spray wird Dronabinol nicht als Fertigarzneimittel verkauft, sondern individuell in der Apotheke als Rezeptur hergestellt. Das bedeutet: Jede Apotheke stellt das Präparat auf Basis des ärztlichen Rezepts neu her – angepasst an die verordnete Konzentration und Menge.
Dronabinol ist die in der Praxis am häufigsten verordnete Cannabis-Zubereitung für Patienten mit chronischen Erkrankungen [4]. Typische Einsatzgebiete sind:
- Chronische Schmerzen – insbesondere wenn andere Schmerztherapien nicht ausreichend wirken
- Übelkeit und Erbrechen – zum Beispiel als Begleittherapie bei Chemotherapie
- Appetitlosigkeit – etwa bei HIV/AIDS oder Tumorerkrankungen
Als Spray ist Dronabinol seltener als in Tropfen- oder Kapselform, aber möglich und für manche Patienten einfacher in der Handhabung.
Seit April 2024 ist Dronabinol kein Betäubungsmittel mehr. Die Verschreibung erfolgt auf einem normalen Rezept – das vereinfacht den Prozess für Ärzte und Patienten erheblich [1].
Wichtig: Dronabinol-Spray enthält kein CBD. Es unterscheidet sich damit grundlegend von Sativex, das eine Kombination aus THC und CBD enthält.
Sativex® – das zugelassene Cannabis-Mundspray
Sativex ist das einzige in Deutschland als Fertigarzneimittel zugelassene Cannabis-Mundspray. Es enthält pro Sprühstoß 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD und ist seit Mai 2011 zugelassen [6]. Die offizielle Zulassung gilt ausschließlich für die Behandlung von Spastik bei Multipler Sklerose, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken. Ein Einsatz bei anderen Erkrankungen ist möglich (Off-label-Anwendung), die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist dann aber noch unsicherer. Auch Sativex ist seit April 2024 kein Betäubungsmittel mehr [1].
CBD-Spray – ohne THC, ohne Rezept?
CBD-Sprays enthalten kein oder nur minimales THC (unter 0,2 %) und sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen. Sie werden als Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetika verkauft. Medizinische Wirksamkeitsversprechen sind rechtlich nicht erlaubt.
Für Patienten mit konkreten Beschwerden ist ein CBD-Spray kein Ersatz für ein ärztlich verordnetes Cannabis-Arzneimittel. Wer eine therapeutische Wirkung sucht, braucht ein Rezept – kein frei verkäufliches Produkt.
Cannabis-Spray auf Rezept – wie funktioniert das?
Jede Ärztin und jeder Arzt darf Cannabis-Spray verschreiben – mit Ausnahme von Zahn- und Tierärztinnen und -ärzten. Seit dem Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) im April 2024 ist die Verschreibung deutlich einfacher geworden: Ein normales Kassen oder Privatrezept reicht aus, ein BtM-Rezept ist nicht mehr nötig [1].
Der Ablauf in der Praxis sieht typischerweise so aus:
- Arztgespräch und Anamnese – Die Ärztin oder der Arzt erhebt die Krankengeschichte und prüft, ob Cannabis-Spray medizinisch sinnvoll ist.
- Prüfung der Indikation – Wurde die Erkrankung ausreichend dokumentiert? Wurden andere Therapien versucht?
- Ausstellung des Rezepts – Bei positiver Einschätzung wird das Rezept ausgestellt.
- Einlösung in der Apotheke – Sativex als Fertigarzneimittel, Dronabinol als individuell hergestellte Rezeptur. Nicht jede Apotheke hält Sativex vorrätig – eine Bestellung im Voraus kann sinnvoll sein.
Hinweis zur Kostenübernahme: Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht automatisch. Vor der Verschreibung lohnt es sich, die Kostenübernahme direkt mit der Kasse zu klären [2].
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Wirkung und Nebenwirkungen von Cannabis-Spray
Cannabinoide wie THC binden an sogenannte CB1- und CB2-Rezeptoren im Endocannabinoid-System des Körpers. Sie beeinflussen, wie der Körper Schmerz wahrnimmt, wie angespannt Muskeln sind und wie stark Übelkeit empfunden wird [3].
Die Wirkung setzt über die Mundschleimhaut schneller ein als bei Kapseln. Inhaliertes Cannabis wirkt zwar noch schneller, ist aber mit Risiken für die Atemwege verbunden.
Häufige Nebenwirkungen von THC-haltigen Cannabis-Sprays [6]:
- Schwindel und Benommenheit
- Müdigkeit
- Mundtrockenheit
- Übelkeit
- Konzentrations- oder Gedächtnisprobleme
Nebenwirkungen treten häufiger auf, wenn die Dosis zu schnell gesteigert wird. Deshalb empfehlen Ärzte in der Regel eine langsame Eindosierung – also schrittweise Erhöhung der Sprühstöße über mehrere Tage oder Wochen.
Wechselwirkungen: THC-haltige Sprays können mit anderen Medikamenten interagieren, zum Beispiel mit Beruhigungsmitteln (Sedativa) oder Antidepressiva. Diese Kombination sollte immer mit der verschreibenden Ärztin oder dem Arzt besprochen werden [4].
Fahrtüchtigkeit: THC beeinträchtigt die Reaktionsfähigkeit und Konzentration. Nach der Einnahme von Cannabis-Spray mit THC darf kein Fahrzeug geführt werden. Der gesetzliche THC-Grenzwert im Straßenverkehr liegt seit April 2024 bei 3,5 ng/ml im Blutserum [1].
Sprich Nebenwirkungen und Wechselwirkungen immer offen mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt an – gerade zu Beginn der Therapie.
Cannabis-Spray und die Krankenkasse – wer zahlt?
Die Kostenübernahme für Cannabis-Spray ist weder automatisch noch garantiert – das gilt für gesetzlich und privat Versicherte gleichermaßen.
Gesetzliche Krankenkassen (GKV): Für Dronabinol und Sativex ist ein Antrag auf Kostenübernahme möglich. Die Genehmigung hängt von der Indikation, der Kasse und der ärztlichen Begründung ab. Sativex bei MS-Spastik hat dabei die stärkste Evidenzbasis für eine Genehmigung [2]. Bei anderen Indikationen – etwa chronischen Schmerzen – ist die Lage weniger eindeutig.
Private Krankenversicherung (PKV): Privatversicherte haben häufig bessere Erstattungschancen, abhängig vom individuellen Tarif.
Was die Chancen erhöht:
- Eine klare ärztliche Begründung mit Dokumentation der Erkrankung
- Nachweis, dass andere Therapien nicht ausreichend gewirkt haben
- Frühzeitige Kommunikation mit der Krankenkasse vor der Verschreibung
FAQ: Cannabis-Spray
Was ist der Unterschied zwischen Dronabinol-Spray und Sativex?
Dronabinol-Spray enthält ausschließlich synthetisch hergestelltes THC und wird individuell in der Apotheke als Rezeptur hergestellt. Sativex ist ein zugelassenes Fertigarzneimittel, das pro Sprühstoß sowohl THC (2,7 mg) als auch CBD (2,5 mg) enthält. Sativex ist offiziell nur für MS-Spastik zugelassen, während Dronabinol bei einem breiteren Spektrum an Indikationen eingesetzt wird – zum Beispiel bei chronischen Schmerzen, Übelkeit oder Appetitlosigkeit. Beide Präparate sind seit April 2024 kein Betäubungsmittel mehr [1].
Kann ich Cannabis-Spray ohne Rezept kaufen?
THC-haltige Cannabis-Sprays wie Dronabinol oder Sativex sind rezeptpflichtig und nicht frei erhältlich. CBD-Sprays ohne THC sind rezeptfrei, gelten aber nicht als Arzneimittel und dürfen keine medizinischen Wirkversprechen tragen. Wer eine therapeutische Wirkung sucht, braucht ein ärztliches Rezept [2].
Welche Erkrankungen werden mit Cannabis-Spray behandelt?
Dronabinol-Spray wird vor allem bei chronischen Schmerzen, Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie und Appetitlosigkeit bei schweren Erkrankungen wie HIV/AIDS eingesetzt. Sativex ist offiziell nur für MS-Spastik zugelassen. Ein Off-label-Einsatz bei anderen Erkrankungen ist möglich, aber die Kostenübernahme durch die Kasse ist dann unsicherer [4].
Wie wird Cannabis-Spray angewendet – und wie oft?
Das Spray wird direkt in die Mundschleimhaut gesprüht – entweder an die Innenseite der Wange oder unter die Zunge. Nicht schlucken. Die Anzahl der Sprühstöße pro Tag richtet sich nach der ärztlichen Verordnung. In der Regel wird mit einer niedrigen Dosis begonnen und diese langsam gesteigert, um Nebenwirkungen zu minimieren [6].
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Cannabis-Spray?
Nicht automatisch. Gesetzliche Krankenkassen können die Kosten übernehmen, wenn ein Antrag gestellt wird und die medizinische Notwendigkeit gut begründet ist. Die Chancen steigen, wenn andere Therapien dokumentiert erfolglos waren. Privatversicherte haben häufig bessere Erstattungschancen, abhängig vom Tarif [2].
Wie schnell wirkt Cannabis-Spray?
Über die Mundschleimhaut setzt die Wirkung typischerweise nach 15 bis 45 Minuten ein. Das ist schneller als bei Kapseln oder Tabletten, aber langsamer als bei inhaliertem Cannabis. Die genaue Wirkdauer hängt von der Dosis, dem Präparat und der individuellen Reaktion ab [3].
Darf ich nach der Einnahme von Cannabis-Spray Auto fahren?
Es kommt darauf an. THC-haltige Cannabis-Sprays beeinträchtigen die Reaktionsfähigkeit und Konzentration. Der gesetzliche THC-Grenzwert im Straßenverkehr liegt seit April 2024 bei 3,5 ng/ml im Blutserum. Wer diesen Wert überschreitet, riskiert rechtliche Konsequenzen – unabhängig davon, ob das Cannabis medizinisch verordnet wurde [1].
Kann jede Ärztin / jeder Arzt Cannabis-Spray verschreiben?
Ja – mit Ausnahme von Zahn- und Tierärztinnen und -ärzten. Seit April 2024 ist keine Sonderzulassung mehr nötig. Jede Ärztin und jeder Arzt kann Cannabis-Spray auf einem normalen Rezept verordnen [1].
Was ist der Unterschied zwischen Cannabis-Mundspray und CBD-Spray?
Cannabis-Mundspray im medizinischen Sinne enthält THC – entweder als Dronabinol (reines THC) oder als Kombination mit CBD (Sativex). CBD-Sprays hingegen enthalten kein oder kaum THC, sind nicht als Arzneimittel zugelassen und dürfen keine Heilversprechen machen. Sie sind rezeptfrei, aber für medizinische Zwecke kein gleichwertiger Ersatz [2].
Quellen:
[1] Konsumcannabisgesetz (KCanG) vom 27. März 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 109). Online verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/
[2] BARMER – Cannabis auf Rezept: Kostenübernahme und Voraussetzungen. Online verfügbar unter: https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/medizin/cannabis-auf-rezept
[3] Techniker Krankenkasse (TK) – Darreichungsformen und Dosierung von medizinischem Cannabis. Online verfügbar unter: https://www.tk.de/techniker/krankheit-und-behandlungen/erkrankungen/behandlungen-und-medizin/
[4] Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – Medizinisches Cannabis. Online verfügbar unter: https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Medizinisches-Cannabis/_node.html
[5] Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – FAQ zur Verordnung von medizinischem Cannabis. Online verfügbar unter: https://www.g-ba.de/themen/arzneimittel/arzneimittel-richtlinie-anlagen/faq-medizinisches-cannabis/
[6] Apotheken Umschau – Sativex: Beipackzettel und Fachinformation. Online verfügbar unter: https://www.apotheken-umschau.de/medikamente/beipackzettel/sativex-27-mg25-mg-spray-zur-anwendidmundhoehle-2258004.html
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